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Zitternd saß er dort. Das Gras war kalt unter seinen Händen. Wie eine Decke aus Fetzen bedeckten feuchte Blätter seinen Körper. Der Wind hauchte um ihn herum und spielte sein grausames Spiel mit dem verzweifelten Laub.
Er schloss die Augen und stellte sich vor am Meer zu sein. Beinahe schmeckte er das Salz in der Luft auf seiner Zunge. Der Wind schien ihm Möwenschreie zu zuwehen, die in der Ferne die Luft zerschnitten.
Er seufzte kaum hörbar und warf den Kopf zurück. Was nützte es schon zu träumen? Es würde sich nichts ändern.

Er saß schon viel zu lange im Gras, zwischen all dem toten Laub und hing seinen Gedanken nach. Das musste langsam aufhören! Für immer!

Entschlossen ballte er die Fäuste und spannte die Arme an. Wut und Hass überkamen ihn und seine Handknöchel wurden weiß, als er immer fester zudrückte.


Das gleichmäßige Rattern der Räder schien einschläfernd aber dennoch war er hellwach. Die Welt flog an ihm vorbei, aber es interessierte ihn nicht. Was kümmerte ihn die Welt? Er war viel zu beschäftigt mit sich selbst. Zähflüssiger Gedankenschleim klebte an ihm wie Marmelade und er konnte sich einfach nicht davon befreien. Wenn er diese Last doch nur endlich von den Fingern lecken könnte, genüsslich und sorgenlos. Aber so einfach war es nicht.
Er hatte beschlossen nie wieder auf die kleine Wiese hinterm Wald zu gehen und zu träumen! Ab jetzt würde er sich dem Leben stellen!
Trotzig warf er das Taschentuch, welches gerade noch seine feuchte Nase getrocknet hatte in den Mülleimer. Langsam wurde es kalt draußen und seiner Nase gefiel das gar nicht. Er hasste den Winter und die Kälte und vor allem seine Nase, die scheinbar jedes Jahr aufs Neue versuchte, vor dem erfrieren davon zu laufen. Dabei war es doch noch gar nicht so kalt! Oder doch? Er fröstelte und fragte sich, seit wann er plötzlich so sehr fror. Immerhin war er warm angezogen und saß noch dazu in einem beheizten Abteil. Dennoch sorgte die Kälte dafür, dass ein unkontrolliertes Zucken seinen Körper schüttelte. Nur ganz kurz, aber dafür um so unangenehmer.
Eigentlich hätte er sich spätestens ab jetzt Gedanken darüber gemacht, wieso ihm plötzlich so kalt war. Eigentlich.

Aber dazu kam er nicht. Stattdessen zuckte sein Körper zusammen, als hätte ihn ein Stromschlag getroffen, denn plötzlich sah er es.

Obwohl es völlig unscheinbar war, sah er es plötzlich ganz genau vor sich. Er konnte sich nicht erklären wieso es ihm bisher nicht aufgefallen war, denn es schien so eindeutig, so auffällig.
Dort zwischen den blauen Sitzen steckte etwas. Es war ein kleines, unauffälliges stück Papier.

Wie gebannt starrte er darauf. Die Fahrgäste, die an ihm vorbei liefen und ihn abwertend ansahen waren wie unsichtbare Puppen. Ein Rauschen in seinen Ohren übertönte jedes Geräusch. Wie in Zeitlupe bewegte er sich nun nach vorne und angelte nach dem Zettel. Ganz vorsichtig nahm er ihn, so als würde er sonst in seinen Händen zu Staub zerfallen.


Aber das Stück Papier zerfiel nicht. Vorsichtig, als würde er einen Schmetterling streicheln wollen, faltete er es auseinander. Voller Begierde starrte er darauf. Er zitterte und wusste nicht wieso, denn die Kälte war verschwunden. Es gab nichts mehr. Nur noch diesen kleinen Papierfetzen. Wie ein alter Man hielt er ihn sich ganz nahe vor die Nase und starrte angestrengt darauf. Seine Stirn legte sich in Falten. Ungläubig wagte er es kaum zu atmen, denn die Luft schien plötzlich furchtbar dünn und fremd zu sein.

Ganz langsam, als hätte er alle Zeit der Welt zur Verfügung, drehte er das kleine Stückchen in seiner Hand um, doch auch auf der Rückseite war nicht ein einziger Buchstabe oder ein anderes Zeichen zu sehen...


Er seufzte leise. Irgendwie hatte er erwartet, dass dort etwas Wichtiges zu lesen gewesen wäre. Aber er war enttäuscht worden. Wütend knüllte er das stück Papier in seinen Händen zusammen. Immer fester und fester drückte er zu. Verdammt, wieso hatte er sich so große Hoffnungen gemacht? Wie war er nur auf die schwachsinnige Idee gekommen, hier, in diesem Zug würde es etwas nur für ihn geben? Nichts und Niemand wartete auf ihn. Schon gar keine Botschaft.
Wieso nur?
Aber er wusste genau wieso. Es war dieses besondere Gefühl gewesen. Als er diesen Zettel gesehen hatte, da wusste er einfach, dass dort etwas nur für ihn geschrieben stand.
Enttäuscht von sich und seinem Gefühl wollte er das Papier auf den Boden werfen. Er nahm sich vor nie wieder in seinem Leben zu hoffen oder auch nur ansatzweise mit etwas Spannendem oder gar Gutem zu rechnen. Die Welt war kalt und leer. Dreckig war sie noch dazu und so voller Hass und Abscheu gegen die Menschen.

Seine Enttäuschung wuchs und steigerte sich immer mehr. Am liebsten hätte er den Zettel nicht nur zerknüllt, sondern zerfetzt. Seine plötzlich aufwallenden Gefühle ärgerten ihn, aber er schien vollkommen machtlos dagegen zu sein. Es schien als wäre er seinen eigenen Gefühlen ausgeliefert. Es gab kein Entkommen vor ihnen, obwohl er nichts anderes wollte, als dies.
Schließlich musste er im Stande sein seinen eigenen Zorn zu zügeln, wie ein durchgehendes Pferd, das voller Panik davon laufen will. Er durfte nicht direkt alles was ihn ärgerte zerstören wie ein kleines, jähzorniges Kind. Denn so stark waren seine Emotionen in diesem Moment. So heftig wie die eines Kindes, dass sich nicht zusammen reißen kann und sofort laut schreit, sobald ihm etwas nicht passt.
Er wusste genau, dass es wichtig war sich beherrschen zu können. Vor allem in dieser leistungsorientierten Welt musste man immer beherrscht und perfekt sein. Es war geradezu gefährlich auszurasten.

Aufgrund dieser Überlegungen gab er sich die größte Mühe seine Wut zu unterdrücken, wie er es immer schon getan hatte. Jahrelang jeden Zorn herunter schlucken, damit er nicht auffiel.
Damit Niemand auf ihn wütend wurde.
Damit alle ihn mochten.
Damit er ernst genommen werden konnte.
Damit er weiter kam im Leben.
Aber war er wirklich weiter gekommen?

Er hob den Arm und wollte gerade in der Bewegung die Hand öffnen um den Zettel von sich zu werfen, da stockte er.
In seiner Hand pulsierte etwas.
War es nur sein eigener Herzschlag, den er in der Hand spürte? Ja, genau das musste es einfach sein! Wie konnte er nur so naiv sein und etwas anderes glauben?
Doch da spürte er es wieder. Es war als hätte er statt dem Knäuel aus Papier ein kleines, schlagendes Herz in der Hand.
Langsam senkte er den Arm und öffnete neugierig seine Hand. Er wagte kaum zu atmen.
Da war es wieder dieses Gefühl von eben. Dieses Wissen, diese Sicherheit, dass hier etwas nur für ihn bestimmt war. In seiner Hand lag noch immer das zerknüllte Papier. Ein wenig enttäuscht starrte er es an. Es sah noch genau so aus, wie eben. Wut durchströmte ihn. Er hatte es ja gewusst!
Langsam, ein letztes Mal, wie er sich selbst in Gedanken schalt, öffnete er es und..

begann innerlich zu zittern. Nun stand dort etwas in roten, etwas verwaschenen Buchstaben.


Brémîr kitanem whuin djannemkar fhjolnâ! Brémîr! Faránwhis queylendâ!

Verwirrt betrachtete er die seltsam geformten Buchstaben und vor allem deren rote Farbe. Es sah so als, als hätte erst vor wenigen Sekunden Jemand mit roter Tinte diese Worte aufgeschrieben. Langsam strich er mit einem Finger über die Buchstaben und tatsächlich: die Farbe verwischte wie frische Tinte.
Verwirrt starrte er die schmierigen Zeichen dort auf dem Papier an und wusste nicht recht was er davon halten sollte. Möglicherweise hätte er dort noch ewig so gesessen, versunken in die Buchstaben und leise die Worte murmelnd, mit verschiedener Betonung. Doch dann durchzuckte ihn ganz unerwartet ein starker Schmerz in seinem linken Arm. Er ließ den Zettel fallen und schrie auf. Panisch schob er die Ärmelschichten an seinem Arm hoch um zu sehen, woher genau dieser Schmerz so plötzlich kam.
Blut tropfte auf den Boden des Abteils. Ein kleiner, aber tiefer Schnitt an der Innenseite seines Arms sorgte dafür, doch woher kam er? Entgeistert betrachtete er die Wunde und presste bald einen Finger darauf. Der Schnitt war wirklich tief, aber er hörte bald auf zu bluten. Doch woher kam diese Verletzung? Verwirrt und auch etwas ängstlich schaute er sich fragend um, doch es war Niemand sonst ausser ihm in diesem Abteil zu sehen.
„Wo bist du und was soll das verdammt?“, knurrte er leise und er hatte das Gefühl ein leises kichern zu hören. Allerdings war er sich nicht ganz sicher, ob er sich dieses nur einbildete oder ob er es wirklich gehört hatte.
Bei all der Aufregung hatte er den Zettel ganz vergessen, er bückte sich um diesen aufzugheben, doch er war nicht mehr da. Er war verschwunden.



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